„Wir haben mit der politischen Bildung angefangen, ohne dass es den Begriff überhaupt gab. Wir haben es einfach getan.“ - 100 Jahre Berthold Finkelstein (5-51-25)

Course details

Course „Wir haben mit der politischen Bildung angefangen, ohne dass es den Begriff überhaupt gab. Wir haben es einfach getan.“ - 100 Jahre Berthold Finkelstein
Period on 12/11/2025
State scheduled
Topic Demokratie und politisch-historische Bildung
Course format Abendveranstaltung
Course presence format Präsenz
Free places
Registration deadline on 12/11/2025 at 11:59 pm
Book for myself Book for group

Berthold Finkelstein war Leiter des deutschen Sekretariats der 1951 gegründeten Europäischen Jugendkampagne seit 1953, gründete 1959 das Gustav Stresemann Institut, war Vorsitzender des Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, war 1966 erster Vorsitzender des Arbeitsausschuss politische Bildung, dem Vorläufer des Bundesausschuss politische Bildung, und prägte damit die Landschaft der politischen Bildung im Nachkriegsdeutschland maßgeblich mit. Als er 1996 plötzlich starb, hinterließ er 50 Jahre Lebensleistung zur Stärkung der Demokratie und des europäischen Gedankens der Völkerverständigung.

Diese Lebensleistung verbrachte ein Mann, der als 1925 in Krefeld geborener Sohn eines hochangesehenen Chemikers der IG Farben-Werke in der Nazizeit Verfolgung erleben musste, weil sein Vater Hans Finkelstein als Jude ausgegrenzt und 1938 in den Tod getrieben wurde und er selber im IG-Farben-Werk Zwangsarbeit zu verrichten hatte. Diese Erfahrung hat ihn geprägt und in seiner Bildungsarbeit zeitlebens angetrieben: „Es ist immerhin in unserem Lande noch oder wieder möglich, dass Zehntausende Parolen erliegen, die so fatal an die Klänge erinnern, die wir für immer gebannt hofften. (…) Was wir brauchen, ist politische Bildung als permanenten Vorgang in allen Lebensbereichen, der nicht dem Ende der Schulzeit abschließt, sondern lebenslang dem aufgeschlossenen Bürger hilft…“  (Berthold Finkelstein 1966)

Dabei sind er und andere Aktive der Bildungsarbeit nicht mit einem fertigen Konzept an die Arbeit gegangen: „Wir haben mit politischer Bildung angefangen, ohne dass es diesen Begriff überhaupt gab, ohne dass es irgendwelche Methoden, Didaktik dafür gab, ohne dass es irgendjemand gab, der uns sagte, was wir tun sollten, geschweige denn, dass es jemanden gab, der sagte, ihr müsst das jetzt tun, wir haben es einfach getan. Und waren dabei immer Lernende, bis heute. Und das wäre schlimm, wenn es nicht so wäre“, sagte Berthold Finkelstein rückblickend 1996 zum 45. Jubiläum des GSI und damit kurz vor seinem Tod.

Wir wollen mit der Veranstaltung einen Blick auf die Bildungsarbeit im Nachkriegsdeutschland, die Beweggründe und Umstände werfen und die Frage beleuchten, was uns die Arbeit der Gründergeneration der politischen Bildungsarbeit heute noch zu sagen haben und welcher Auftrag sich daraus für die heutigen Verantwortlichen der politischen Bildung ableitet. Und wir wollen damit das Leben von Berthold Finkelstein würdigen – ein wahrhaft europäisches Leben de 20. Jahrhunderts.

Durchgeführt durch die GSI Gustav-Stresemann-Stiftung in Kooperation mit der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung

Programm

Ab 16:00: Ankunft im GSI

16:15-16:30 Uhr: Begrüßung und Einführung - Berthold Finkelstein – ein Vorbild - Wilfried Klein, Gustav-Stresemann-Institut e.V.

16:30-17:00 Uhr: politische Bildung als Antwort auf Krieg und Nationalsozialismus – historische Betrachtung der Rolle und der Themen der politischen Bildung der Nachkriegszeit – Beweggründe, Umstände und Strukturen - Vortrag Paul Ciupke, Erwachsenenbildner und Bildungshistoriker

17:00-17:45 Uhr: Von der politischen Verfolgung zur politischen Bildung - die außergewöhnliche Biografie des GSI-Gründers - Eine Geschichte eines Pioniers der politischen Bildung nach 1945 mit Gründergeist

Gäste im Talk
 „Er war ein Idealist!“ - Johannes Finkelstein, Architekt, Beirat der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung
„Wann immer er eine positive Veränderung erkannte, engagierte sich Finkelstein beherzt.“ - Gitta Geißler, Leiterin der politischen Bildung im GSI von 1986-2016
„Politische Bildung ist ein demokratisches Versprechen“ - Andrea Rühmann, Vorsitzende des Bundesausschuss Politische Bildung (bap)
Moderation: Anne Schulz, Gustav Stresemann Institut und Annemarie Hühne-Ramm, Geschäftsführerin Hans und Berthold Finkelstein Stiftung 

17:45- 18:15 Uhr: Politische Bildungsarbeit für die Demokratie - Dr. Guido Hitze, Leiter der Landeszentrale für Politische Bildung NRW

18:30-20:00 Uhr: Stresemann-Lecture (getrennte Anmeldung nötig): Geschichte in Zeiten der Unsicherheit: Wie Stresemann aus der Vergangenheit lernte - Prof. Dr. Peter Geiss, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Institut für Geschichtswissenschaft und Didaktik der Geschichte

Ab 20:00 Uhr: Elsässisches Buffet, in Erinnerung an B. Finkelstein. Und Come Together; Ausklang als politischer Abend zum Netzwerken und Feiern

„Was ich Berthold Finkelstein zu seinem 100. Geburtstag wünsche? Seine Mutter war Elsässerin, er sprach perfekt Französisch, setzte sich für die deutsch-französische Freundschaft ein und er liebte gutes Essen. Ein Abend mit elsässischem Essen und Wein wäre schön. Da würde er sich wohlfühlen. Und er würde viel erzählen.“

Wenn Sie ebenfalls an der direkt anschließenden Stresemann-Lecture teilnehmen wollen, melden Sie sich bitte zusätzlich hier an. 

 

 

 

 

Course times

Weekday Time
Thursday 4:00 PM - 6:15 PM

Location

Gustav Stresemann Institut
Langer Grabenweg 68
53175 Bonn

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