| Course | Spätes Gedenken und demokratische Erinnerungskultur |
| Period | on 11/25/2026 |
| State | scheduled |
| Topic | Demokratie und politisch-historische Bildung |
| Course format | Abendveranstaltung |
| Course presence format | Präsenz |
| Free places |
| Book for myself |
Deserteure der deutschen Wehrmacht – eine Leerstelle der Aufarbeitung nach 1945?
am 25. November 2026 im Gustav Stresemann Institut um 19.00 Uhr
Zehntausende Menschen haben sich auf deutscher Seite geweigert, am verbrecherischen Eroberungskrieg des deutschen Nationalsozialismus teilzunehmen. Ca. 23.000 wurden aufgrund von Urteilen der nationalsozialistischen Kriegsgerichte ermordet, andere kamen in Gefängnishaft oder Konzentrationslager. Nach 1945 galten die Überlebenden als „zu Recht bestraft“ und wurden als „Verräter“ und „vaterlandslose Gesellen“ beschimpft. Erst 2002, über 50 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, wurden die NS-Urteile gegen sie vom Bundestag vollständig aufgehoben. Die Veranstaltung erinnert an die Menschen, die aus unterschiedlichen Motiven den Weg der Desertion gewählt haben und sich so dem Angriffskrieg verweigerten. Eine Bündnis-Initiative hat vorgeschlagen, auch in Bonn ein Deserteurs-Denkmal zu errichten, so wie dies bereits in vielen Städten (darunter Wien, Hamburg, Ulm und Köln) erfolgt ist.
Programm
19.00 Uhr Begrüßung
Durch Anne Schulz, GSI
Bemerkungen zur Kampagne für ein Deserteurs-Denkmal in der Stadt Bonn
Gerd Pütz, Stv. Vorsitzender des Vereins Wissenskulturen e.V.
Keynote: Desertion und Beteiligung am Widerstandskampf der Resistenza in Italien – Schilderung eines konkreten Beispiels
Ulrike Petzold, Germanistin und Politologin
Keynote: Schicksale deutscher Wehrmachtsdeserteure in Griechenland
Prof. Friedhelm Boll, Historiker
Keynote: Die Rolle von Gedenkstätten als Orte demokratischer Erinnerungskultur in der Stadtplanung
Dr. Sebastian Scharte, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V.
Ein lokalhistorisches Blitzlicht: Bonner Deserteure der deutschen Wehrmacht
Armin Lauven, Historiker, Pax Christi Bonn
Anschließend Diskussionsrunde mit:
Gerd Pütz, Stv. Vorsitzender des Vereins Wissenskulturen e.V.
Ulrike Petzold, Germanistin und Politologin
Prof. Friedhelm Boll, Historiker
Moderation: Anne Schulz, GSI
Geschildert wird anhand von historischen Beispielen, wie Menschen versucht haben, sich nicht am nationalsozialistischen Unrecht zu beteiligen. Von der NS-Justiz wurden, neben Deserteuren, auch alle diejenigen verfolgt, die als zivile Helfer*innen die Deserteure unterstützen, indem sie ihnen Zivilkleidung, ein Versteck oder ganz einfach Essen gaben. Zu den vielfältigen Widerstandsformen gehörte auch Kriegsverrat, etwa durch klare Worte gegen den Angriffskrieg, Wehrkraftzersetzung, wie selbst beigefügte Verletzungen, um nach Hause geschickt zu werden, oder vorübergehende „unerlaubte Entfernungen“, die zum Teil als erfolglose Desertionsversuche verstanden werden können.
Die Veranstaltung erinnert an die Menschen, die aus unterschiedlichen Motiven – religiösen, politischen oder weil sie ganz einfach nicht sterben wollten – sich dem Angriffskrieg verweigerten. In der rheinischen Chronik des Bonner General-Anzeigers schreibt H.P. Bothien am 1.10. 1998 über zwei Bonner Deserteure: „Sie wollten unter keinen Umständen einem verbrecherischen System wie dem Dritten Reich mit der Waffe dienen, und auch ein Überwintern in der Truppe kam für sie nicht in Frage. Mit dem Entschluss zu desertieren, riskierten sie ihre Hinrichtung.“
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Verein Wissenskulturen e.V., Pax Christi Bonn, dem Förderverein Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. und dem Gustav-Stresemann-Institut e. V. statt.
Der Besuch der Abendveranstaltung ist kostenfrei. Um eine Anmeldung wird gebeten.

| Weekday | Time |
|---|---|
| Wednesday | 7:00 PM |
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